ERFAHRUNGSBERICHT



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Ein Schnarchtagebuch führen

Ich vermesse seit sieben Wochen meinen Schlaf. Dass ich schnarche, wusste ich vorher auch schon, aber es ist deutlich weniger als gedachtGünther Brandstetter 

8. Juli 2018, 10:00

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Wir sind überzeugt davon, unsere Bequemlichkeit durch technische Hilfsmittel wettmachen zu können. Das Smartphone sagt uns etwa, ob wir zu wenige Schritte gemacht haben. 10.000 sollten es täglich sein. Ein Arzt erzählte mir kürzlich, dass er jeden Abend prüft, ob er diese magische Grenze überschritten hat. Falls nicht, macht er sich noch einmal auf die Beine und geht ein paar Runden um den Häuserblock.

Bisher war ich immun gegen diese Selbstüberwachung. Mit dem Alter wird man aber auch etwas eigentümlich. Dinge, die einen früher relativ unwichtig waren, werden zur Referenz, an der sich das Zufriedenheitslevel bemisst. Ein warmes Abendessen zählt für mich dazu. Oder das Frühstück am Wochenende. Zum Zentrum meiner Launenhaftigkeit ist aber die Nachtruhe geworden. Zu wenig Schlaf lässt mich granteln, macht mich unproduktiv.

In die Redaktion ist vor rund zwei Monaten die „intelligente Matte“ eines finnischen Technologiekonzerns eingetrudelt, der früher mit Papier, Gummi und Kabel sein Geld verdient hat. Die graue Matte, nicht viel größer als ein DIN-A5-Blatt, wird einfach unter die Matratze geschoben und an die Steckdose angeschlossen. Der Hersteller verspricht, einiges über meinen Schlaf herauszufinden.

Auf der Matte liegen

Seit fast zwei Monaten spiele ich nun die Prinzessin auf der Matte. Der große Unterschied zum Original auf der Erbse: Ich spüre das Gerät nicht. Trotzdem misst es zuverlässig die Pulsfrequenz, Schnarch- und REM-Phasen, Dauer des Tiefschlafs, wie lange ich zum Einschlafen brauche und wie oft ich aufgewacht bin. Wie es das macht, ist und bleibt mir ein Rätsel. So viel konnte ich herausfinden: Das zentrale Element ist ein äußerst empfindlicher Drucksensor, der drei Hauptsignale (Bewegung, Herz- und Atemfrequenz) aufzeichnet.

Mit einer App können die Daten schließlich aufs Handy oder Tablet gespielt werden, ein digitales Schlaftagebuch also. Die Analyse zeigt: Ich bin ein Schnarcher. Das wusste ich vorher auch schon. Das Gerät sagt aber auch, dass ich längst nicht so geräuschvoll bin, wie manche Mitmenschen behaupten. Im Mittel etwa zweieinhalb Stunden pro Nacht.

Auf die Schlafampel achten

Durchschnittlich komme ich auf siebeneinhalb Stunden Schlaf. Das ist mehr, als ich dachte, und völlig ausreichend. Was ich jetzt noch weiß: Ich bin ein Schnelleinschläfer – meistens fallen mir nach etwa 15 Minuten im Bett die Augen zu. Die niedrige Pulsfrequenz zeigt: Ich kann gut abschalten und entspannen.

Mit den Ampelfarben grün, orange und rot wird die Schlafqualität insgesamt beurteilt. Meistens liege ich im grünen Bereich. Was auffällt: Am Wochenende schlafe ich deutlich besser als an Arbeitstagen. In einem Punkt liegt das Gerät aber völlig falsch. Ich brauche sicher länger als eine Minute zum Aufstehen. Bei der Feinjustierung dürften die Hersteller hier irgendetwas verschlafen haben. (Günther Brandstetter, 8.7.2018)

Schlafapnoe behandeln mit Zungenschrittmacher

Unzählige Atemaussetzer machen einen erholsamen Schlaf für Patienten mit Schlafapnoe unmöglich. Eine Elektrode am Zungennerv hält die Atemwege frei

28. Juni 2018, 06:00

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Tagesmüdigkeit ist eine Folge von Schlafapnoe.

Die Schlundmuskulatur erschlafft, die Zunge fällt zurück und blockiert den Atemweg, die Luft bleibt weg. Alarmiert von der Sauerstoffunterversorgung schlägt das Herz schneller, der Blutdruck steigt, die Atemmuskeln im Brustkorb werden aktiviert und der Körper wird aus dem Schlaf gerissen, um ein Ersticken zu verhindern. Bei Patienten mit Schlafapnoe passiert das viele Male pro Nacht. Die Folge sind Tagesmüdigkeit, Bluthochdruck schlechte Konzentration.

Das Tragen einer nächtlichen Atemmaske ist in einem solchen Fall die Standardtherapie. Dabei werden die Atemwege mittels Überdruck offengehalten. Doch viele Patienten fühlen sich von der Maske gestört, können erst recht nicht gut schlafen. Für sie kommt eine Operation infrage.

Zur Wahl stehen eine aufwändige OP, bei der der Kieferknochen durchtrennt und nach vorne verlagert wird oder die Implantation eines sogenannten Zungenschrittmachers, wie sie etwa am Universitätsklinikum in Regensburg (UKR) durchgeführt wird.

Freie Atemwege

„Der Zungenschrittmacher besteht aus mehreren Einzelkomponenten. Der Pulsgenerator, der unterhalb des Schlüsselbeins eingebracht wird, gibt über eine Stimulationselektrode einen Impuls an den Zungennerv ab. Ein Drucksensor misst die Atmung im Schlaf und übermittelt dem Pulsgenerator den Zeitpunkt der Einatmung. In diesem Moment löst die Elektrode am Zungennerv ein schonendes Zusammenziehen der Zungenmuskulatur aus“, berichtet die Hals- Nasen- Ohrenärztin Veronika Vielsmeier vom UKR. Dank dieses neuen High-Tech-Behandlungsverfahrens bleiben die Atemwege nachts frei und der Schlaf ist ungestört.

René Fischer von der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde in Regensburg: „Der erste Patient, den wir vor wenigen Monaten mit dieser Technologie versorgt hatten, kann nun endlich wieder seiner Arbeit als Berufskraftfahrer nachgehen. Er hatte vor der Therapie im Schlaf rund 45 Atemaussetzer pro Stunde. Das erhöht am nächsten Tag die Gefahr des Sekundenschlafes am Steuer deutlich. Seine nächtlichen Wachphasen liegen nun im unbedenklichen, normalen Bereich und der Patient ist sehr zufrieden.“ (red, 28.6.2018)

Schlaflosigkeit: Blaues Licht senkt Melatoninspiegel

Das blaugrüne Farblicht von Smartphones, Tablets und Laptops steht im Verdacht Schlafprobleme zu fördern. Neue Displays könnten Abhilfe schaffen

21. Juni 2018, 12:43

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Herkömmliche Displays enthalten die Grundfarben Rot, Grün und Blau. Forscher entwickelten nun ein Display mit der vierten Farbe Cyan.

Basel – Wissenschafter vermuten, dass die starken Blauanteile des Lichts, mit dem Leuchtdioden (LEDs) die Bildschirme von Smartphones, Tablets oder Laptopsse Geräte beleuchten, zu Schlafstörungen führen können. „Wer abends lange vor einem LED-Bildschirm sitzt, verzögert seinen Schlaf-Wach-Rhythmus“, ist etwa der Schweizer Schlafforscher Christian Cajochen, Leiter des Zentrums für Chronobiologie in Basel überzeugt.

Cajochen hat nun gemeinsam mit Kollegen von der Universität Manchester ueine Technologie entwickelt, das sogenannte „melanopisches Display“, mit der die Menge an blaugrünem Licht, das vom Bildschirm ausstrahlt, kontrolliert werden kann.

Warum ist eine Abklärung im Schlaflabor sinnvoll?

Störungen des Schlafs werden von Betroffenen unterschiedlich wahrgenommen. Wenn Sie bereits längere Zeit mit folgenden Beschwerden zu kämpfen haben, sollten Sie diese in einem Schlaflabor abklären lassen:

  • Erschöpfung und erschöpftes Aufwachen
  • Ständige Müdigkeit
  • Kein oder schlechter Schlaf trotz Müdigkeit
  • Einschlafen während des Tages, Tagesmüdigkeit
  • Ein- und Durchschlafprobleme
  • Gefühl, nicht ausgeschlafen zu sein
  • Schnarchen mit Atemaussetzern
  • Unruhebewegungen der Beine

Schlechter Schlaf führt bei allen Betroffenen zu Beeinträchtigungen der Lebensqualität und der Leistungsfähigkeit. Daraus können unterschiedliche gesundheitlichen Probleme entstehen wie beispielsweise Konzentrations- und Aufmerksamkeits­schwierigkeiten, erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen (Bluthochdruck, Diabetes) sowie psychische Probleme und Depressionen.

Ein herkömmliches Display nutzt die Grundfarben Rot, Grün und Blau, die mit den drei Typen von Lichtrezeptoren der Nervenzellen im menschlichen Auge übereinstimmen. Die Wissenschafter fügten ihrem Bildschirm als vierte „Primärfarbe“ Cyan hinzu, die auf die sogenannten Melanopsin-Zellen im Auge wirkt. Diese Zellen messen die Helligkeit des ins Auge fallenden Lichts und steuern zum Beispiel den Pupillenreflex. Außerdem sind sie maßgeblich an der Steuerung der „Inneren Uhr“ beteiligt.

Cyan steuert Melatoninspiegel

In einer kleinen Studie testeten nun die Forscher den Effekt des Cyanlichts. War es stärker eingestellt, fühlten sich die elf Probandender Studie wacher, wurde es zurückgefahren, waren sie schläfriger. Die Studienteilnehmer sahen sich für das Experiment einen Film an, der einmal mit und einmal ohne Cyan produziert wurde. Danach mussten sie bewerten, wie schläfrig sie sich jeweils fühlten.

Zudem wurden Speichelproben zur Messung des Melatoninspiegels entnommen. Es zeigte sich, dass sich beim Betrachten des Films, bei dem die Cyananteile herausgefiltert wurden, der Melatoninspiegel erhöhte. „Das Hormon Melatonin wird von einer bestimmten Hirnregion, der Zirbeldrüse, produziert, wenn wir abends Dunkelheit wahrnehmen und uns langsam schläfriger fühlen“, sagt Christian Cajochen. Demnach könnte die Regulierung von Cyanlicht einen Einfluss darauf haben, wie schläfrig wir uns fühlen. (red, 21.6.2018)